Kickboxen oder WingTsun

Kickboxen oder WingTsun – der Vergleich

Bestimmt hat jeder von uns schon mal Kickboxen oder Boxen im Fernseher oder auf You Tube gesehen. Was ist hier der Unterschied zum WingTsun? Anhand der Kampfstrategien lässt sich dies leicht erläutern und vergleichen.

Gemeinsamkeiten dieser beiden Kampfmethoden

In beiden Kampfmethoden wird mit Armen und Beinen geschlagen und getreten. Wobei dies nur eine oberflächliche Betrachtung von außen ist. Im Kickboxen möchte man ein Duell im Kampfring unter geschützten Bedingungen gewinnen. Hier ist zum Beispiel schon der große Unterschied zum WingTsun.

Im WingTsun geht es nicht um ein sportliches Duell, sondern einfach ums Überleben in einem Echtkampf, der einem aufgezwungen wird. Dieser Umstand macht eben den großen Unterschied zwischen den beiden Kampfmethoden. Was bedeutet, wenn ein WingTsun’ler gegen einen Kickboxer im Ring boxen würde, hätte der WingTsun’ler die deutlich schlechteren Voraussetzungen weil WingTsun dafür nicht ausgelegt ist. Genauso hätte der Kickboxer die schlechtere Voraussetzung im Echtkampf.

Kampfstrategie im Kickboxen oder ähnlichen Kampfmethoden

Ein Boxer sucht den direkten Weg, mit der Faust auf das Kinn des Gegners um einen KO zu erzielen oder zu Punkten. Um zu schlagen muss er jedoch seine schützenden Arme von seinem Körper lösen um die Faust nach vorne zum Gegner zu bringen. Macht er das in einem unbedachten Augenblick kann er gekontert werden. Was bedeutet, er wird selbst vom Gegner getroffen. Jeder Kämpfer geht also mit seinem Angriff das Risiko ein, selbst getroffen zu werden.

Eine Kontrolle des Gegners mit den Armen zum eigenen Schutz, spielt eher eine untergeordnete oder keine Rolle. Zudem eine Kontrolle, die auf Fühlkontakt beruht, mit den Boxhandschuhen auch nicht möglich wäre.

Wer Boxen oder Kickboxen kennt, weiß, dass jeder der Kontrahenten Treffer einstecken muss. Zum Schluss werden die Punkte ausgezählt.

Merke: Ein Treffer im Echtkampf kann einen Krankenhausaufenthalt zur Folge haben!

Kampfstrategie im WingTsun

EIN Treffer auf der Straße, beendet in aller Regel den Kampf. Da WingTsun nicht für den Wettkampf sondern den Überlebenskampf ausgelegt ist, ist hier auch eine andere Kampfstrategie erforderlich. Aus diesem Grund steht im WingTsun der Eigenschutz an erster Stelle, es gibt nur wenige direkte Angriffe. Im Idealfall wird nur dann angegriffen, wenn es gefahrlos möglich ist.

Um bei dem Beispiel eines Fauststoßes zu bleiben, wird der WingTsun’ler in der Regel nicht direkt zum Ziel (z.B. Kopf) gehen sondern zuerst mit den Armen Fühl-Kontakt zum Gegner suchen um ihn zu kontrollieren. Danach greift er das Gleichgewicht des Gegners an und geht dann zum Ziel. Diese Strategie ist wesentlich sicherer als ein direkter Angriff welcher ein hohes Risiko in sich trägt.

Die Beste Strategie ist jedoch einen Kampf zu vermeiden. Das gibt 100% Sicherheit.

Merke: Ein vermiedener Kampf ist ein gewonnener Kampf!

Fazit

Wenn es um deine Sicherheit geht ist in erster Linie die Strategie wichtig und erst in zweiter Linie die Technik! Das bedeutet aber auch, das nicht jede Kampfkunst oder Kampfsport für alle Fälle geeignet ist und darum auch nicht vergleichbar ist. Wenn du ein gutes Brot kaufen willst, solltest du zum Bäcker gehen und nicht zum Metzger.

Wenn du eine Anmerkung zu diesem Artikel hast darfst du mir diese gerne im Kommentar schreiben!

Viele Grüße

Sifu Wolfgang

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Comments 4

  1. Danke für den schönen Artikel!
    Ich mache selbst Kickboxen, aber nur für die Fitness. Ich hatte es nie unter dem Aspekt der Selbstverteidigung gesehen. Mir ist auch wohl bewusst dass es dafür bessere Systeme gibt.

    Mich würde jedoch euer „Fühltraining“ interessieren. Kann man das auch separat im WingTsun lernen, ohne das ganze drumrum?

    1. Post
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      Gerne!

      Natürlich ist es möglich das „Fühltraining“ was wir ChiSao nennen, separat zu erlernen. Die Frage ist jedoch ob das Sinn macht. Es würde in der Form dein Kickboxen nicht bereichern. Diese Frage ist aber hier auch nicht zu klären, da bitte ich um Verständnis.

      Was jedoch dein Kickboxen bereichern würde ist das Achtsamkeitstraining im Zon Xin Dao, welches Systemneutral ist. Dieses System werden wir nächstes Jahr separat anbieten.

      Viele Grüße
      Sifu Wolfgang

  2. vielen Dank für die tolle Gegenüberstellung beider Kampfkünste. Für mich ist Wing Tsun eine einzigartige Erfahrung und tatsächlich die erste Kampfkunst die mir eine Verteidigung im Straßenkampf realistisch erscheinen lässt.

    Ich würde es gerne auf folgende Punkte bringen den ich für mich als wesentlichen Unterschied verstanden habe. Der Boxer kann den Schlag nur mit den Augen kommen sehen und entweder nur decken oder eben schlagen und seine Deckung verlassen.
    Der Wing Tsun ler sieht mit dem Tastsinn und den Augen. Der Tastsinn lässt uns schneller reagieren als die Augen uns führen können. Dabei führt uns der Gegner in die Lösung. Wenn er etwas von uns blockiert wird etwas anderes frei. Wir lösen uns erst aus der Deckung wenn der Gegner aus dem Gleichgewicht und unserer Richtung ist. Zudem schlagen und decken wir mit der Kraft der Gleichzeitigkeit.
    Die inneren Kräfte des Wing Tsun durch Koordination, Gleichgewicht, Biomechanik und Erweiterung des Geistes sind scheinbar grenzenlos und leider auch noch Lichtjahre von meinem Können entfernt.

    Ich freue mich auf noch viele Trainingsstunden mit Dir.

    Kay Bredehorst

    1. Post
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      Nur Geduld lieber Kay, du bist auf einem guten Weg! Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Wir sehen uns. Bis dahin noch ein frohes Osterfest!

      SiFu Wolfgang

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